LIBANON: Flüchtlings-Aufnahmeland und Krisen-Staat

Eine Kooperation von Amnesty International, dem Eine-Welt-Forum, der Evangelischen Stadtakademie, dem Büro der Regionen Aachen-Stadt und Aachen-Land und der Save-me-Kampagne

Länder-Informationsveranstaltung / Vorträge und Diskussion

Seit Beginn des Bürgerkrieges in Syrien 2011 sieht sich der ungleich kleinere Libanon vor der Aufgabe, viele Flüchtlinge aus dem Nachbarland beherbergen zu müssen. Inzwischen sind es weit über eine Million Menschen – ungefähr die Hälfte davon Kinder – bei einer Zahl einheimischer Einwohner von ca. 4,5 Millionen. Die Folge ist ein auf Dauer unhaltbarer Zustand, der sich z.B. in einer Überlastung der Infrastruktur zeigt, mit Engpässen bei der Versorgung mit Elektrizität und Trinkwasser, mit Schulbildung und Erwerbsarbeit.
Lange erwiesen sich die meisten Libanesen solidarisch den Flüchtlingen gegenüber. Traditionelle Gast-freundschaft und aus der eigenen Geschichte das Wissen, was es bedeutet, wenn ein Bürgerkrieg das Land zerstört und den Menschen ihre Lebensmöglichkeiten nimmt, erzeugen Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. Aber die Stimmung ist fragil: Nicht nur Geflüchtete, auch etwa eine Million Libanesen leben in Armut. Laut UNHCR benötigen zur Zeit mehr als 3,3 Millionen Menschen im Libanon Hilfe zum Überleben. Außerdem war die Rückkehr der Syrer bereits bei den letzten Parlamentswahlen im Mai 2018 ein großes Thema, mit dem Politiker bei der Bevölkerung zu punkten versuchten.
Verschärfend kommt hinzu, dass der Libanon innenpolitisch geprägt ist durch ein Proporzdenken, das z.B. die vier höchsten Staatsämter den Mitgliedern bestimmter religiöser Gruppen vorbehält, und durch eine verkrustete und korruptionsanfällige Bürokratie. Das Land hat eine der höchsten Staatsverschuldungsquoten der Welt, was seine Infrastruktur mangels Investitionen weiter verfallen lässt. Gegen diese Misere haben sich seit dem Oktober 2019 die stärksten landesweiten Proteste seit dem Ende des Bürgerkrieges 1990 entwickelt. Zudem erschütterte eine Explosion am 04. August 2020 die libanesische Hauptstadt Beirut und zerstörte den Hafen sowie weite Teile der Hauptstadt, sodass weit über 250 000 Menschen Obdachlos wurden und über 200 Menschen ihr Leben verloren, unter den Opfern waren natürlich auch viele geflüchtete. Noch richten sie sich hauptsächlich gegen die Regierung und die politischen Eliten. Aber wird das so bleiben?
Mit Blick auf mögliche politische Wege aus dieser explosiven Gemengelage wollen wir fragen: Was sind die gegenwärtigen Umstände, unter denen Flucht geschieht und die Flüchtlinge aus Syrien im Libanon leben müssen? Wie ist die einheimische Bevölkerung im Alltagsleben wie in ihren politischen Forderungen an die Regierung bisher mit den geflüchteten Menschen umgegangen und welche Veränderungen in den Einstellungen zeichnen sich ab? Welchen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Einfluss hat die Aufnahme der Flüchtlinge im Libanon gehabt? Wie ließen sich Perspektiven für eine Verbesserung der Lage der Geflüchteten wie der Einheimischen schaffen? Wie stehen absehbar die Chancen zu einer Eindämmung der Fluchtursachen, vor allem zur Beendigung des Bürgerkriegs in Syrien? Welche der Flüchtlinge konnten bis-her in ihre Heimat zurückkehren, ohne von der weiter bestehenden Herrschaft Assads Repressionen befürchten zu müssen? Welche Möglichkeiten gibt es durch Aufnahmeprogramme, wie zum Beispiel das Resettlement-Programm des UNHCR, für das die Save-me-Kampagne wirbt?

Der Eintritt ist frei.

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